Chapada Diamantina 4. Tag

Chapada Diamantina-Bahia/Brasilien 5772 sm von Stavoren/NL
25.05.2018

Diamanten und Sossego Wasserfall
Tafelberge, Hochebenen, Trockenwälder und Bergwiesen ergänzen sich mit den vielen Flüssen, Wasserfällen und Höhlen. Nahezu 90 % aller Flüsse in Bahia werden mit dem Wasser aus der Chapada Diamantina gespeist, die im Zentrum des Bundesstaates Bahia liegt und mit rund 38.000 Quadratkilometern etwa so groß wie die Niederlande ist.
Es ist Jahrhunderte her, dass  die Region die Hochburg der Diamantenschürfer war. In der Zeit des Diamantenfiebers strömten zehntausende Menschen aus dem ganzen Land und aus Europa in die Region, in der Hoffnung ihren Gewinn aus der Natur zu ziehen. Innerhalb kürzester Zeit wurde Brasilien der weltweit führende Diamantenproduzent.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden immer weniger glitzernde Steinchen geschürft. Der Diamantenrausch ebbte ab und die Gegend verarmte und vereinsamte. Kaum jemand interessierte sich mehr für die Region.
Erst die Gründung des Nationalparks im Jahre 1985 trug wieder dazu bei, dass der Tourismus heute zu einem wichtigen Motor der lokalen Wirtschaft in der Chapada Diamantina geworden ist. Der Nationalpark ist von Norden nach Süden angelegt und hat eine durchschnittliche Breite von 25 km. Die höchsten Teile erheben sich mehr als 2000 m über den Meeresspiegel und bieten atemberaubende Ausblicke. Jedes Jahr besuchen ungefähr 80.000 Menschen die Mittelgebirgslandschaft der Chapada. Von zahlreichen Outdoor-Organisationen werden Wanderungen, Reitausflüge, Mountainbike-Touren, Trecking durch Grotten und Höhlen, außerdem Klettern und Bergsteigen angeboten.

Viele Menschen sind der Hektik und der hohen Kriminalität der brasilianischen Großstädte entflohen um Ruhe in der Oase Chapada Diamantina zu finden. Unsere Guides Vinicius und Gustavo, sowie Juliana, die für „brasilienadventure“ die Touren organisiert, haben früher in Sao Paulo, mit 11 Millionen Einwohnern eine der vollsten Metropolen Brasiliens, gelebt. „Less is more“, sagt Vinicius!

Heute steht eine etwas anspruchsvollere 14 km Wanderung bis zum Sossego Wasserfall, an der Mündung eines Canyons gelegen, auf dem Programm. Unsere Beine zeigen deutliche Ermüdungserscheinungen von den vergangenen zwei Wanderungen. Da müssen wir jetzt durch 😉 . Die Anfahrt bis zum Einstieg in den Wanderweg ist nicht weit und wir haben das Vergnügen, mit  Vinicius altem VW Käfer 1300 zum Ausgangspunkt zu fahren. Für mich ein Highlight. Früher fuhren wir daheim ausschließlich Käfer und ich steige nach fast 40 Jahren erstmalig wieder in ein solch altes Modell ein 🙂 .

Am Ausgangspunkt der Wanderung treffen wir einen anderen Guide, der mit zwei brasilianischen Damen (Mutter und Tochter) das gleiche Ziel wie wir hat. Wir lassen die drei bald hinter uns und es geht erst einmal ganz locker bis zum Ribeirão do Meio, einer Badestelle am Fluss Ribeirão, die wir links liegen lassen. In einem Baum hängt ein Termitennest, einen weiteren riesigen Termitenhügel entdecke ich eingeklemmt zwischen Bäumen.

Wir laufen weiter parallel zum Fluss. Nun ist aufgrund des Höhenunterschiedes ein wenig mehr Kondition gefordert. Die Wanderung führt durch ein Waldgebiet mit niedrigen Bäumen und einigen schönen Aussichtspunkten. Am Wegesrand sind noch die von Ausgrabungen der damaligen „Garimpeiros“ (lokale Diamantensucher) herrührenden Steinaufschüttungen zu sehen, die gleichzeitig das Revier des jeweiligen Garimpeiros markierten.

Durch das Flussbett müssen wir hindurch

Aufschüttungen der Diamantensucher

noch geht’s entlang des Flusses

Die wirkliche Herausforderung ist das letzte Drittel des Trecks. Der Pfad endet und es gibt keinen sichtbaren Weg mehr. Wir müssen durch das Flussbett von Felsen zu Felsen springen, wobei es bei mir nicht immer grazil ausschaut, wie ich mich von einem zum anderen Felsen hangele. Gute Trittsicherheit ist gefragt, ansonsten ist die Chance groß, dass man im Wasser landet. Da ich außerdem öfters anhalte um Fotos zu machen,  kommen wir nur langsam voran.

Wir kriechen unter Felsvorsprüngen hindurch, immer hinter Vinicius her, der hier jeden Stein kennt.

Da müssen wir hindurch

Vinicius wartet

immer geduldig

auf uns

Bevor wir den Wasserfall erreichen, stolpern wir fast über eine Boa Constrictor. Da haben wir Glück, da sie sich normalerweise tagsüber in Höhlen oder anderen Unterschlüpfen versteckt und nur zum Sonnenbaden hervorkommt. Sie ist ungiftig, kann aber aggressiv werden.

Bald schon hören wir das Rauschen des Wasserfalls. Auf einem Felsplateau essen wir unser Lunchpaket und genießen die eindrucksvolle Natur um uns herum.

Eine halbe Stunde später kommen auch schon Mutter und Tochter mit ihrem Guide und nehmen mutig eine Dusche unter dem kalten Wasserfall. Ich schaue mir das Ganze lieber trocken durch den Fotoapparat an.

Der Weg zurück durch das Flussbett geht etwas schneller und wir freuen uns über unsere zweite Schlangenbegegnung. Eine  ungefährliche Wasserschlange.

Den restlichen Weg schleppen wir uns ein wenig müde zurück zum Auto und sind froh, dass der morgige und letzte Tag ganz entspannt sein wird. Wir fahren zu den Blauen Pools „Poço Encantado“ und „Poço Azul“.

Chapada Diamantina 3. Tag

Chapada Diamantina-Bahia/Brasilien 5772 sm von Stavoren/NL
24.05.2018

Três Irmãos  und ein Blick vom Tafelberg Pai Inácio
Vinicius ist privat im Einsatz und steht heute nicht als Tourguide zur Verfügung. Vertreten wird er von seinem brasilianischen Kollegen Gustav Fischer (da sind, wie bei vielen Brasilianern, deutsche Vorfahren im Spiel), genannt Gustavo.

Nur eine kurze Fahrt von Lençóis entfernt ist der kleine Fluss Ponem, von dem aus unsere Wanderung startet. Nachdem wir den Fluss über eine nicht sehr vertrauenserweckende Brücke überqueren, muss nur noch ein Tor geöffnet werden, welches uns den Zugang zu dem weiten grünen Tal mit den drei Brüdern eröffnet. Je nachdem wie das Sonnenlicht einfällt, leuchten die riesigen Tafelberge, Felsen und das Buschland in einem anderen Licht.

Die drei Brüder

Wir gehen über Pfade, die mit den unterschiedlichsten Sträuchern und Gräsern bewachsen sind. Der Winter steht vor der Türe und blühende Pflanzen spinksen nur noch vereinzelt zwischen den Gräsern hervor. Je mehr wir uns dem Flusslauf nähern, wird der Bewuchs dichter und bald schon stapfen wir durch waldähnliche Abschnitte. An einem Baum wächst eine Bromelie, die hier stark verbreitet sind.

Nachdem ein Fluss überquert ist, eröffnet sich uns ein freier Blick auf den höchsten Gipfel der nördlichen Chapada Diamantina, dem durch Wind und Wasser wie eine Trommel geformten Tafelberg „Morrão“. Er ist der letzte der drei Brüder, die sich alle majestätisch aneinanderreihen und das Postkartenmotiv des Capão-Tals sind.

Unser Lunchpaket genießen wir an den Águas Claras. Das sind kleine Becken, die mit kristallklarem Wasser gefüllt sind und einen kleinen Wasserfall gibt es hier auch.

Wir gehen den gleichen Weg wieder zurück, mit einer anderen Sicht auf die eindrucksvolle Landschaft. Es fehlt nur noch, dass ein Dinosaurier um einen Tafelberg getrabt kommt. Jurrassic Park lässt grüßen 🙂 .

Ein Höhepunkt des heutigen Tages ist der Ausblick vom Gipfel des Morro Pai Inácio. Direkt am Fuße des Tafelberges zweigt eine unbefestigte Piste ab, hinauf auf einen kleinen Parkplatz, der auf halber Höhe liegt. Der zweite Teil muss zu Fuß zurückgelegt werden. Der 20 minütige Aufstieg auf ca. 1120 m Höhe ist unkompliziert.

ein Kolibri

etwas Blühendes

gibt es auch noch

rosa Felsformationen

Die 360 ° Grad-Panorama-Aussicht oben vom Plateau ist atemberaubend. Nach Norden erstrecken sich zahlreiche Tafelberge.

Nach Süden der sagenhafte Blick auf die Morros Três Irmãos und dem Morro do Camelo mit kleinem Camelo im Vordergrund. 

Nach Osten und Westen zeigt sich die Landschaft flacher.

Beeindruckend ist der Steingarten auf dem Plateau. So etwas Wunderschönes kann nur die Natur schaffen.

Es ist ein besonderes Erlebnis, ganz alleine auf dem großen Plateau den Ausblick genießen zu können. Gustavo hat uns mit vielen interessanten Informationen unterhaltsam durch den Tag geführt.

Kurz vor Sonnenuntergang erreichen wir unsere Unterkunft in Lençóis.  Unsere untrainierten Beine sind, nach insgesamt nicht immer flachen 18 km, ganz schön schlapp. Morgen sind wir wieder mit Vinicius unterwegs. Wir hoffen mal, dass wir die nicht einfache 14 km Wanderung zu dem Sossego Wasserfall gut überstehen.