Ein paar Tage Puerto Williams

Puerto Williams/Chile 10162 sm von Stavoren/NL
4.01. – 9.01.2020

Puerto Williams liegt auf der Insel Navarino im Beagle Kanal und ist mit seinen 2500 Einwohnern das südlichste Dorf der Welt. Ein Militärstützpunkt, um den eine Siedlung entstanden ist, noch nicht vom Massentourismus verdorben. Die Straßen sind holprig und wenn es regnet, was hier keine Seltenheit ist, füllen sich die zahlreichen Löcher im Straßenbelag mit Wasser. Halbwilde Pferde grasen am Wegesrand und Kühe laufen über die Straße. Rudel von herrenlosen Hunden begegnen einem an jeder Ecke. Die Menschen auf der Straße grüßen freundlich. Die Supermärkte werden einmal in der Woche von einem Versorgungsschiff mit Lebensmitteln, frischem Obst und Gemüse beliefert. Keine große Auswahl aber ausreichend. Die Kirche Nuestra Senora del Carmen mit ihrem grünen tief hinuntergezogenen spitzen Dach fällt auf. Um einen kleinen Platz herum, mit dem netten Namen „Plaza Abuelo Felipe“ (Platz Opa Felipe), reihen sich kleine Geschäfte, in hübschen Holzhäuschen untergebracht. Hier gibt es handgewebte Decken, gefilzte Pinguine und anderen Souvenierkram zu kaufen. Dazwischen Restaurants, die Post und ein Mietwagenverleih. Ich vermisse eine Glühweinbude.

Kirche von P. Williams

Supermarkt

Ende der Welt

Platz Opa Felipe

halbwilde Pferde und

Kühe spazieren durch den Ort

Regen, Regen, Regen

Unser Stammrestaurant

In den umliegenden Bergen gibt es einige Wanderwege. Aufgrund des wechselhaften Wetters, der einstelligen nächtlichen Temperaturen und unserer zurzeit fehlenden Kondition geben wir den Plan einer mehrtägigen Wanderung mit Zelt schnell auf. Aber da ist noch der knapp 600 m hohe Hausberg „Cerro Bandera“. Wir gehen den alten, streckenweise sehr steilen Weg hinauf. Steigen über Baumstämme des urwüchsigen Waldes und hangeln uns rutschend (ich mehr als Walter) das letzte Stück bis zum Bergkamm über schmale, mit kleinen Steinen belegten Wegen, die sich zwischen niedrig wachsendem Buschwerk schlängeln, hinauf. Trotz wolkenverhangenem Himmel und Nieselregen ist die Aussicht auf den Beagle Kanal und Puerto Williams beeindruckend. Der Blick auf die „Dientes de Navarino“, die eindrucksvolle kleine Bergkette der Insel Navarino ist nahezu wolkenverhangen und bleibt uns verborgen.

PIKAIA und DINA HELENA sind inzwischen auch in Puerto Williams angekommen und liegen beide längsseits in unserer Reihe. KIWI DREAM aus Neuseeland, auch aus unserer Whatsapp Gruppe, haben ein Wetterfenster genutzt und sind nach Kap Horn gestartet. Neben uns liegt der Schweizer Einhandsegler Rene, mit seiner Ovni 32. Er hat das Boot vor vier Jahren in Französisisch Polynesien gekauft, ist seit dem damit unterwegs und hat viele Geschichten im Gepäck.

Hier in Puerto Williams haben wir nochmal die Gelegenheit Diesel zu tanken. Viel brauchen wir nicht. Auf den Falklands haben wir unseren 1000 Liter Tank bis oben hin gefüllt. Rene hat einige leere Kanister an Bord, die er uns ausleiht. Wir bepacken uns mit unserer Sackkarre und steigen über die drei neben uns liegenden Boote. Ein junger Mann ruft und winkt mit einem Schlüssel. Wir können seinen Pickup für den Dieseltransport haben. Es ist Eduardo, der Geschäftsführer des Segelclubs. Das erspart uns den mehrmaligen Gang zu der etwa 1 km entfernten Tankstelle. Schnell sind wir mit 125 Liter Diesel wieder zurück und haben ungefragt helfende Hände beim Transport der Kanister auf die ALOMA.

Regentag ist Museumstag. Das Anthropologische Museum Martin Gusinde zeigt unter anderem die Geschichte der Yámana, die vor mehr als 6000 Jahren in der südlichsten Region der Erde als Jäger, Fischer und Sammler unterwegs waren. Auch wenn das Klima milder war als in der heutigen Zeit, ist es trotzdem unvorstellbar, dass sie ohne Kleidung in dieser rauen Region gelebt haben. Bei uns geht ohne Merinounterwäsche und Wollsocken gar nichts. Sie bewegten sich ausschließlich mit ihren, aus der Rinde des Lenga-Baumes gebauten Kanus fort. Die Frauen ruderten und sammelten Muscheln. Nur sie konnten schwimmen, im Paddelstil eines Hundes. Die Männer standen mit ihrer Harpune im Bug des Kanus, warteten auf Beute und unterstützten die Frauen nur dann beim Rudern, wenn ihnen die Puste ausging. Das Feuer, das in der Mitte des Kanus brannte und für ein wenig Wärme sorgte, wurde von den Kindern beaufsichtigt. Beeindruckend, das Leben der Seenomaden.
Wir klarieren nach Ushuaia aus. Bevor wir unsere Reise durch die chilenischen Kanäle starten, wollen wir uns die südlichste argentinische Stadt mal anschauen.