Hinauf auf den „Felsen der Jungs“

La Palma/Kanaren 2569 sm von Stavoren/NL
21.12.2017

und ich bin dabei 🙂 . Durch die Kommentare unseres treuen Lesers Michiel ist Walters Ehrgeiz geweckt worden. Schon auf La Gomera hat er einige Höhenmeter gesammelt und startet heute zu seiner Königsetappe. Die Straße auf den „Roque de los Muchachos“ ist die mit Europas meisten Höhenmetern. Die gut 40 km lange Auffahrt geht auf 2426 m, La Palmas höchsten Punkt, hinauf. Ich bin froh, dass Stefan unser Sohn zu Besuch ist und ich nicht das Auto durch die ca. 400 Kehren steuern muss. Die Ostauffahrt startet auf Meereshöhe in Santa Cruz. An der Landstraße LP1 wird das Rad ausgeladen und startklar gemacht.

Walter fast

startklar Bilder: Stefan Ott

Wolkenloser blauer Himmel, kein Wind, der perfekte Tag 🙂 . Walter startet kurz nach 11 Uhr und hat die Sonne während der ganzen Auffahrt auf seiner Seite. Wir vereinbaren, dass Stefan und ich um 12 Uhr, spätestens um 12:30 Uhr, starten und Walter dann auf ca. 1500 m einholen, um ihn falls notwendig mit wärmeren Sachen und Proviantnachschub zu versorgen. Die Zeit bis dahin überbrücken wir mit Parkplatzsuche in Santa Cruz, manövrieren dabei haarscharf mit eingeklappten Außenspiegeln durch eine schmale Gasse mit parkenden Autos rechts und links und fahren schließlich in das enge und verwinkelte SPAR-Parkhaus. Wir eilen durch die kleinen Gassen auf der Suche nach einem schnellen Kaffee, kommen dabei an einer Bar mit brettspielenden Männern vorbei, bis wir schließlich in einer kleinen Markthalle landen. In einer sehr schmalen angrenzenden Bar trinken wir einen leckeren und liebevoll zubereiteten Cappucino. Auf den Barhockern sitzen die „Alten“ und schlürfen ein Weinchen nach dem anderen. Schön ihnen dabei zuzuschauen.

Fassade in rosa

brettspielende Männer

trinkende Männer und angrenzende

Markthalle Bilder: Stefan Ott

 

Wir müssen noch tanken und uns sputen. Die Tankstelle finden wir schnell und machen uns auf den Weg zur LP4, die nach wenigen Kilometern von der LP1 abzweigt. Alles im grünen Bereich, doch dann stehen wir vor der gesperrten Zufahrt zur LP4. Wir fragen uns mehr oder weniger erfolgreich nach der Auffahrt zum Roque de los Muchachos durch, fahren durch schmale Wirtschaftswege und ich bin kurz vorm „Kollabieren“ 😉 . Die Zeit wird knapp und die Reaktion von einem ausgekühlten Walter wollen wir nicht unbedingt erleben. Wir kommen dann irgendwie auf die LP4 und Stefan gibt Gas. Nichts für mich aber da muss ich jetzt durch. Gut, dass Stefan die Ruhe bewahrt und die endlosen Kurven gekonnt durchfährt. Walter sichten wir bei Kilometer 24 auf 1700 m Höhe, Temperatur 11 Grad.

Walter endlich in Sicht 🙂

Er ist jetzt 2 Stunden unterwegs. Bisher lief’s prima aber  nun werden die Beine doch langsam müde. Walter wird mit Riegeln und Getränken versorgt. Nachdem er sich noch wärmende Armlinge angezogen hat, geht’s für uns entspannter weiter 🙂  . Wir fahren immer ein Stück voraus und warten an einem für ein Fotoshooting geeigneten Spot.

Halt an der Versorgungsstation

weiter geht es

durch lichte Kieferwälder

Richtung Gipfel Bilder: Stefan Ott

Die Straße, die ursprünglich für den Transport von Bauteilen für die Sternwarte auf den Roque gebaut wurde, führt durch mehrere Klimazonen. Subtropisch beim Start am Meer und rauhes Hochgebirgsklima am Gipfel. Der Standort für das Observatorium ist dort oben ideal. Saubere Luft ohne „Lichtverschmutzung“.

Im nördlichen Teil der Insel ist die Landschaft von der Caldera de Taburiente geprägt. Sie entstand durch den Einsturz eines Vulkandoms, der bis zu 3500 Meter hoch emporragte. Die Caldera bildet den größten Senkkrater der Welt. Er ist umgeben von einem Ring von Gipfeln. Der am nördlichen Rand gelegene Roque de los Muchachos ist mit 2.426m der höchste.

Wir durchfahren Kieferwälder und an einem Haltestopp setzen sich neugierige Raben völlig unerschrocken auf das Autodach und lassen sich von allen Seiten fotografieren.

Dreimal

schwarzer

Rabe Bilder: Stefan Ott

Je näher wir dem Gipfel kommen, umso  vulkanischer und baumloser wird die Landschaft. Wunderschöne Ausblicke in tiefe Schluchten und auch hier auf La Palma lugt der Teide von Teneriffa immer wieder durch die Wolken 🙂 .

Die Aussicht

in die tiefen

Schluchten ist fantastisch

Teide/Teneriffa am Horizont

Die Straße ist in keinem tadellosen Zustand. Der Belag ist rau und die Strecke immer wieder stark von Steinschlag betroffen. An vielen Stellen liegen teils dicke Brocken im Weg. Walter kommt wieder in Sicht und hat schwer zu kämpfen. Wir versorgen ihn mit heißem Tee und er muss die letzten Kilometer bis zum Gipfel nochmal alles geben.

Walter am Limit Bild: Stefan Ott

Dicke Brocken auf der Straße Bild: Stefan Ott

Versorgung vor dem Gipfel Bild: Stefan Ott

Kurz vor dem Gipfel wird die Passhöhe der Straße erreicht, die dann wieder etwa einhundert Höhenmeter verliert, bevor sie im steilen Schlussanstieg mit 300 Hm auf den Gipfel führt. Vorbei geht es an den futuristisch anmutenden Observatorien am Kraterrand.

Futuristische Spiegelteleskope

noch ein Teleskop

Helikopter-Landeplatz Bild: Stefan Ott

Nach 3:36 Stunden ist der Gipfel des Roque de los Muchachos mit einem fantastischen Ausblick endlich erreicht. Walter ist froh und stolz, den langen Anstieg geschafft zu haben 🙂  . Zu lange hält er sich wegen Auskühlung hier oben nicht auf. Ein heißer Tee, etwas essen, alle verfügbaren warmen Klamotten für die kalte Abfahrt anziehen und dann natürlich noch das obligatorische Gipfelfoto.

Blick in die Caldera

Geschafft 🙂 🙂

Es geht die Westabfahrt hinunter und weiter bis nach Tazacorte. Auf der Westseite hängen dicke Wolken, die durch Bäume und über die Straße wabern, immer wieder die Sicht einschränken und über die Kammspitzen wie Wasserfälle fließen. Geröll und Kiefernadeln machen die Abfahrt nicht gerade leichter.

Westabfahrt hinunter

noch scheint die Sonne Bild: Stefan Ott

durch die Wolken

Wolkenwasserfälle Bild: Stefan Ott

Stefan und ich müssen nicht lange an der Pizzeria in Tazacorte auf Walter warten. Hier werden die leeren Speicher aufgefüllt.

Höhenprofil der Tour

95 km – mit 2831 Hm – Eine super Leistung 🙂

 

 

Santa Cruz – Wir bleiben noch

Teneriffa/Kanaren 2436 sm von Stavoren/NL
17.10. – 8.11.2017

17.10.2017
Im Palmetum in Santa Cruz
wachsen auf einer Fläche von 12 Hektar mehr als 2500 Palmenarten aus der ganzen Welt. Dieser Park ist einzigartig, denn der künstlich erschaffene Berg war einmal eine riesige Müllhalde aus den 70iger Jahren. Bereits zu Beginn der 90iger Jahre entstand die Idee, auf dem Müllberg einen botanischen Garten zu errichten. Bis der Park dann endlich zu dem wurde, was er heute ist, sind sage und schreibe 18 Jahre vergangen.

Gemeinsam mit Lisa und Wolfgang wollen wir heute den Park besuchen. 17 Uhr ist letzter Einlass, um 18 Uhr schließt er. Noch rechtzeitig um 16:30 Uhr stehen wir an der Kasse und spazieren als einzige Besucher durch die beeindruckende Anlage.

Kanarischer Bereich

Blick auf den Atlantik

Beeindruckende Luftwurzeln

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mit Mangroven

Kokospalme . . . die kennen alle 😉

Bauchpalme . . . die gefällt mir 🙂

Äthiopische Palmyrapalme

Palmen mit langen Bärten

Könnte eine Zuckerpalme sein?

Entspannung im „Achteck“ einer geschützten Fläche
Super Aussicht auf Anagagebirge, Marina, Auditorium und Badelandschaft Manrique

Die Zeit vergeht wie im Fluge. Das akustische Signal, welches das Ende der Besuchszeit ankündigt, nehmen wir nicht so richtig wahr. Wir schlendern zum Ausgang und stehen vor einem augenscheinlich verschlossenen Ausgangstor. Zu hoch um Hinüberzuklettern. Weit und breit keiner mehr zu sehen. So schnell lassen wir uns nicht einsperren. Nachdem Lisa mehrmals kräftig am Tor zerrt, öffnet es sich. Doch keine Nacht unter Palmen 😉 .

23.10. – 02.11.2017
Heimaturlaub
Bevor wir Europa verlassen, möchte ich in jedem Fall noch einmal in die Heimat fliegen um Familie und Freunde zu besuchen. Einige Arztbesuche stehen auch noch auf der Dringlichkeitsliste. Aber welcher Bootsbesitzer fliegt schon nach Deutschland, ohne mit einem Koffer voll Ersatzteilen und noch dringend benötigtem Installationsmaterial zurückzukehren 😉 . Also wird auf Teufel komm raus bestellt, damit alles rechtzeitig während meines Aufenthalts in Deutschland unsere Heimatadresse in Langenfeld erreicht. Am Ende stehen 20 Sendungen auf der Liste. Alles nur Kleinkram wie mir Walter versichert. Ich reise nur mit Handgepäck hin, weil sich auf der langen Bestellliste auch ein Wanderrucksack von Deuter 55+10 Liter befindet. Den werde ich dann als Hauptgepäck wieder mit zurück auf die Aloma nehmen.

In Deutschland werde ich von herrlichem Herbstwetter empfangen. Ich genieße die Zeit bei meiner Schwester und meinem Schwager in Langenfeld, die schönen Stunden mit Freunden und unseren ehemaligen Nachbarn und ich habe die Gelegenheit einen Rundgang durch unser früheres Haus zu machen 🙂 . Meinen Aufenthalt habe ich natürlich so gelegt, dass ich als Überraschungsgast beim Mädelstreffen meiner alten Schulfreundinnen dabei sein kann. Auf der Rückfahrt mache ich dann noch einen Zwischenstopp bei meiner Schwägerin auf eine Tasse Kaffee und einem Stück Kuchen. Abgerundet wird mein Heimaturlaub durch ein gemeinsames Schnitzelessen mit unserem Sohn Stefan „Bei Oma Kleinmann“ in Köln und einer anschließenden kleinen Stadtrundfahrt. Nochmal danke an alle für die Gastfreundschaft und die Schlafmöglichkeiten.

Einen Tag vor Abreise beginne ich damit die zahlreichen Kartons auszupacken.

15 von 20 Sendungen, die ich verpacken muss 😉

Die Teile in den übergroßen Verpackungen sind zwar klein aber es läppert sich zusammen. Hinzu kommen noch einige Zutaten für die Weihnachtsbäckerei und das ein oder andere findet auch noch seinen Weg in den Rucksack. Am Ende ist das zulässige Gesamtgewicht mit knapp 21 kg leicht überschritten. Das Handgepäck passt auch nicht mehr so ganz in die vorgeschriebene Gewichtsnorm. Meine Schwester und mein Schwager transportieren mich samt Gepäck zum Flughafen und alles wird anstandslos in den Flieger verladen 🙂 .

. . . und was hat Walter die ganze Zeit so ohne mich gemacht?

Walter hat mich natürlich vermisst 😉 . Die Zeit hat er mit vielen Bootsarbeiten, Essensbeschaffung und Wäsche waschen gefüllt. Er hat es sogar geschafft dreimal durch das Anagagebirge zu radeln. Wolfgang und Lisa von der Lotta haben dem Verlassenen, zumindest in den ersten Tagen, gute Gesellschaft geleistet und ihn hin und wieder mit einer warmen Mahlzeit versorgt 🙂 . Dann sind die beiden weiter in den Süden von Teneriffa geschippert und haben Walter alleine zurückgelassen 😉 .

Die großen technischen Teile, die Walter viele Stunden Planungsarbeit gekostet haben, sind so gut wie fertig eingebaut. Die Elektrik Wassermacher ist jetzt auch installiert, die Deckwaschpumpe ist mit Wasser verbunden und ebenfalls elektrisch angeschlossen, der Abgastemperatur-Alarm ist eingebaut (schlägt Alarm, wenn die Wasserkühlung am Motor ausfällt), es ist eine  weitere Bilgepumpe Backbord eingebaut und ein Bilgealarmsystem, mit vier im Boot verteilten Sensoren, installiert.

Die für unsere Weiterfahrt erforderliche Technik kann nun von der To-Do-Liste gestrichen werden. Es fehlen nur noch Kleinigkeiten. Walter hat super Arbeit geleistet 🙂 . Wir sind guter Dinge, dass alles funktioniert. 

Das zweite Konzert der Sinfónica De Tenerife
steht einen Tag nach meiner Rückkehr aus Deutschland auf dem Programm und Walter hat Karten besorgt 🙂 . Das Konzert ist mit dem Titel „En América“ überschrieben. Antoni Parera Fons (uns unbekannt), Paul Hindemith (uns unbekannt) und George Gershwin (Porgy and Bess, Ein Amerikaner in Paris sind ja bekannt) stehen auf dem Programm. Die Kompositionen von Fons und Hindemith sind nicht so unser Ding. Insbesondere die Disharmonien bei den Stücken von Hindemith sind gewöhnungsbedürftig. Wie ich bei Wikipedia lese, hat er in seiner frühen Schaffensperiode das klassische Konzertpublikum mit provozierenden neuartigen Klängen und grellen Dissonanzen schockiert. Das brachte ihm den Ruf eines „Bürgerschrecks“ ein. George Gershwin mit Tamara Stefanovich am Piano ist dann ein schöner Abschluss.

Walter und der Tachostand
Inzwischen hat Walter den Ötztaler Radmarathon (5500 Hm und 238 km) schon mehr als zwei Mal absolviert. Die einzelnen Etappen waren zwar ein wenig kürzer 😉 aber immerhin ist er 516 km durch das Anagagebirge geradelt und hat dabei 11466 Hm bewältigt.

Keiner der mit ihm fährt . . also wieder Selfie

Anagagebirge immer wieder beieindruckend
Bikers Dream

Was steht sonst noch so an?
Wir haben uns entschlossen, noch eine Weile hier in Santa Cruz zu bleiben. Der ideale Ort um die noch anstehenden Restarbeiten zu erledigen. Es soll weiterer Stauraum in der Pantry und unter unserer Liegefläche in der Achterkabine geschaffen werden. Wenn das Wetter es zulässt und es nicht immer wieder regnet, wollen wir noch die neuen Rahmen unserer Salonfenster und die Holzrahmen der Luken streichen. Für die bevorstehende Atlantiküberquerung im Februar kommenden Jahres, werden wir alle Grundnahrungsmittel beschaffen. Die größeren Supermärkte liefern ab eines bestimmten Einkaufsbetrages alles ans Boot. Weiter geht es dann nach La Gomera und La Palma. Weihnachten und eventuell auch den Jahreswechsel werden wir auf El Hierro, der kleinsten Kanareninsel, verbringen. Das ist der Plan. Aber so ganz Genaues weiß man nicht 😉 .

Auflaufen der Megaschiffe in Santa Cruz
Hier in der Marina gibt es immer was zu sehen. Zurzeit wechselt eine Megayacht die nächste ab. Die dicken Motoryachten legen meist nur zum Tanken an und das dauert. Wir haben vom Cockpit aus alles im Blick 😉 .

Die Utopia kann gechartert werden. Sie ist 72 m lang, 17 Crewmitglieder verwöhnen die maximal 12 Gäste, die für eine Woche schlappe 465.000 $ berappen müssen. Der Tankwagen befüllt gerade den 157.000 Liter großen Tank. Davon müssen allerdings einige anfahren. Immerhin kommt sie mit einer Tankfüllung 5000 sm weit 😉 .

Utopia am Tankschlauch

Namen von dem hässlichen Teil?? ———————-

Wind Surf  Länge 188 m größter Motorsegler der Welt

SY Tamsen 52 m lang 10 m breit ————————-

STOP! MICRO WASTE eine non Profit Initiative Berlin