Club-Alltag

Victoria B.A./Argentinien 8008 sm von Stavoren
April/Mai 2019

Die meisten Segler die südwärts gehen, legen einen Zwischenstopp im Club de Veleros Barlovento, Victoria B.A. ein. Gäste sind willkommen, die Clubanlage schön angelegt, die Mitarbeiter sehr freundlich und der Monatspreis erschwinglich. Jetzt sowieso, wo sich der Wert des Argentinischen Pesos, aufgrund der schweren Wirtschaftskrise, innerhalb eines Jahres halbiert hat. Drei Monate sind inzwischen vergangen, unterbrochen von unserer vierwöchigen Radtour in Patagonien.

An die fehlenden Steganlagen haben wir uns inzwischen gewöhnt und mit dem Taxiboot Gauchita angefreundet, zumal der Transport unserer Fahrräder problemlos ist. „Gauchita para Aloma“ auf US-Kanal 66 gerufen und nach einer meist kurzen Wartezeit legt das Taxiboot an. An Land und wieder zurück zum Boot wird von den im Wechsel eingesetzten Marineros rund um die Uhr gewährleistet. Ein super Service! Mit dem immer gut gelaunten und hilfsbereiten Marcelo, der seit über 30 Jahren für den Club tätig ist, macht es uns auf den morgendlichen Fahrten zu den Duschen Spaß, Konversation auf Spanisch zu üben.

Optis überholen die Gauchita

An den Wochenenden ist einiges los im Club

Eine passende Radstrecke zu finden, um die auf unserer Radreise in Patagonien erworbene Fitness nicht direkt wieder verpuffen zu lassen, ist nicht so einfach. In einer Tagestour aus dem Großraum Buenos Aires herauszukommen ist fast unmöglich. Walter hat Strecken zwischen 50 und 90 km herausgesucht, von denen 20 km immer durch dichten Verkehr führen. Entspannter wird es erst in einem großangelegten Wohnbereich, wo perfekt asphaltierte und wenig befahrene Straßen durch abgezäunte Villenviertel mit Namen wie San Francisco und San Rafael führen. Alle 100 m ist eine Überwachungskamera aufgestellt. Wachpersonal in kleinen Häuschen sorgt für zusätzliche Sicherheit. Entlang einer Straße stehen auf der einen Seite die Häuser der ärmeren Bevölkerung, auf der anderen Seite fahren die Reichen mit ihren Jetskis auf einem abgezäunten See um die Wette. Es stellt sich unweigerlich ein beklemmendes Gefühl ein.

Marcelo bringt alles sicher an Land

eingezäunt und kameraüberwacht

Überwachter Zugang zu einem Villenviertel

Prima ist, dass aus der Whatsapp-Gruppe „South America Sailing Team 2018“ zwei Boote hier im Club sind, die wie wir wegen unvorhergesehener Reparaturen am Boot ihr Vorhaben Patagonien auf Ende 2019 verschoben haben. Die SY Pikaia mit den Franzosen Gaelle, Manuel und ihren zwei Jungs Jules und Renan haben wir erst hier persönlich kennengelernt. Die Holländer Thea und Henk, unterwegs mit der SY Romlea, kennen wir bereits aus Salvador. Alle übrigen 16 Boote aus der Gruppe haben inzwischen die Pazifikseite erreicht. Mit Thea haben wir schnell eine engagierte Administratorin für die neue Whatsapp-Gruppe „South America Sailing Team 2019“ gefunden. Sie hat in mühevoller Kleinarbeit alle Informationen aus der Gruppe 2018 zusammengetragen, sortiert, in gutem Englisch aufgeschrieben und allen Teilnehmern von 2019 per Email zugesandt. Unsere Gruppe hat sich bereits mit 3 Booten aus den Niederlanden, 2 Booten aus Deutschland (Aloma und Nadir mit Rena und Gucky 🙂  ), einem Boot aus Frankreich und einem aus Neuseeland gefüllt. Wir sind gespannt wer noch alles hinzukommt.

Argentinien verlassen ohne „Asado“ geht gar nicht. Jeder Anlass wird genutzt, um Fleisch- und Wurstsorten jeglicher Art und Gemüse auf einen Grillrost zu legen und es sich, natürlich mit Vino tinto, gutgehen zu lassen. Es sind keine popeligen Klappgrills auf denen gebrutzelt wird. Gemauert müssen sie sein. Von solchen Exemplaren gibt es auf dem Clubgelände jede Menge. An langen Steintischen und – bänken kann man sich ausbreiten. Gemeinsam mit Thea und Henk haben wir unterhaltsame Grillstunden mit erstklassigem argentinischem Fleisch.

So wie die umliegenden Häuser mit hohen Zäunen, vergitterten Fenstern und Wachhäuschen an den Straßenecken gegen Einbruch gesichert sind, so hat auch der Club Barlovento Sicherheitsmaßnahmen getroffen, um Unbefugten den Zugang zum Gelände zu erschweren. Am beschrankten Eingang ist ein rund um die Uhr besetztes Pförtnerhaus. Von 14 bis 22 Uhr ist der Student Tomás im Einsatz, der ein wenig Englisch spricht. Wenn auch etwas holprig, genießen wir die bunt gemischten englisch-spanischen Gespräche.

Tomás

Gallineta – Hühnervogel

Im Clubrestaurant treffen wir uns abends hin und wieder mit Thea und Henk auf ein Bier. Kochfreie Tage habe ich, bei dem für umgerechnet 4 Euro angebotenen Mittagstisch, inklusive einem Kaffee, mehrmals in der Woche. ​

Clubrestaurant

Eindrucksvoller Baum vor dem Sanitärgebäude

Wasser inzwischen abgelassen – alles winterfest gemacht –

Clubgans

Der Herbst auf der Südhalbkugel zeigt sich inzwischen überall. Die Blätter der wenigen Laubbäume verfärben sich und fallen ab. Der überwiegende Baumbestand besteht aus Nadelbäumen (die genauen Namen weiß ich nicht), die zum Herbstanfang eine riesige Sauerei auf den Booten durch ihren Blütenstaub hinterlassen haben, der sich auch im Bootsinneren ausgebreitet hat. Inzwischen sind es zum Glück nur noch ein paar Nadeln, die hinunterfallen.

Hüter des Parkplatzes

Bänke am Ufer des Rio Luján laden zum Verweilen und Entspannen ein. Die Club-Gans, mit eigenem Steg, scheint ihr partnerloses Leben zu genießen. Laut schnatternd macht sie auf sich aufmerksam und freut sich über das ein oder andere Brotstückchen. Bei Hochwasser badet sie ihre Füße mit Vorliebe an der überschwemmten Plattform der Gauchita-Haltestelle.

Mit dem Fußbad der Gans ist es für einen Tag vorbei, als ein heftiger Wind aus SSO große Wassermengen in den Rio Luján drückt und das normale Hochwasser um ein Vielfaches ansteigen lässt. Die Anlegestelle der Gauchita steht komplett unter Wasser und ist nicht mehr anfahrbar. Nur die Bänke ragen noch aus dem Wasser hervor. Wir müssen an einer „Behelfshaltestelle“ an Land gehen. Wege, Wiesenflächen und der Grillplatz sind überschwemmt. Die sowieso schon abenteuerliche Stromverlegung hier im Club gerät noch mehr unter Wasser. Wir wundern uns, dass außer seltenen Stromausfällen bisher nicht mehr passiert ist. Eine solche Verdrahtung wäre in Deutschland undenkbar. Die Situation entspannt sich im Laufe des Tages wieder.

Behelfshaltestelle

Land unter am Grillplatz

Abenteuerliche Strom- und

Wasseranschlüsse

Bäume mit interessanter Noppenrinde, Ziersträucher mit blauen Beerendolden, ein gigantischer Baum mit ungewöhnlichen spitzen Nadeln, blühende Kakteengewächse  und ein kleiner Bohnenbaum. Das alles wächst auf dem Clubgelände.

Was machen wir sonst noch so?
Frontscheiben mit neuem Durchblick
Unsere 15 mm dicken Fensterscheiben aus Plexiglas sind 16 Jahre alt und zeigen inzwischen mehr oder weniger starke Crazings (spinnennetzartige Haarrisse). Die nicht gerade pflegliche Behandlung der Scheiben durch den Vorbesitzer der Aloma und die Sonne haben den Alterungsprozess beschleunigt. Nicht weiter schlimm, solange man noch den Durchblick hat. Die Festigkeit ist nach wie vor gewährleistet. Beunruhigend ist nur, dass sich, insbesondere in den drei großen Frontscheiben, mehr als 10 cm lange durchgehende Risse gebildet haben. Wir haben den Eindruck, dass die Rissbildung nach dem Ausbau in Uruguay, wegen Undichtigkeit, durch das anschließende Polieren so richtig in die Gänge gekommen ist. Im Hinblick auf unsere bevorstehende Patagonienreise entschließen wir uns die Frontscheiben auszutauschen. In den Seitenscheiben zeigen sich auch schon die ein oder anderen Risse. Da die Scheiben deutlich kleiner als die Frontscheiben sind, werden wir ein Austauschen verschieben. Eine plexiglasverarbeitende Firma ist relativ schnell gefunden. Gegossenes 15 mm starkes Klarglas ist vorrätig und nach Vorlage unserer alten Scheiben in zwei Tagen zugeschnitten und gebohrt. Der Preis ist akzeptabel. Getönte Scheiben müssen bestellt werden, was mitunter bis zu 2 Wochen dauern kann. Da es in Europa getönte Scheiben nur noch bis 8 mm Dicke gibt und wir nicht wissen, wie es in den übrigen Ländern ausschaut, entscheiden wir uns für Klarglas. Den Ausbau und das Sichern der Fensterausschnitte mit einer Folie schaffen wir, geübt wie wir inzwischen sind, in einer Regenpause.

Die fertigen Scheiben können wir nach zwei Tagen wieder abholen. Ein Vergleich mit den alten Scheiben sieht nach einer gelungenen Arbeit aus. Motiviert starten wir mit dem Einbau. Wären die Durchgänge für die Schrauben mit Hilfe eines Bohrständers und nicht im Freihandverfahren gebohrt worden, hätten wir die Schrauben problemlos in die Löcher bekommen und alles wäre prima gewesen. Aber was klappt schon auf Anhieb? Also Scheiben wieder unter den Arm geklemmt und mit dem Taxi zu der nicht in der Nähe liegenden Firma gefahren. Nachdem Walter dem zum Glück englisch sprechenden Chef die Problematik erfolgreich auseinanderklamüsert und den Mitarbeitern eine Praxisstunde in der Technik am Bohrständer gegeben hat, werden die Bohrlöcher erfolgreich korrigiert.

Tank, einmal bitte entrosten
Dann ist da noch die Tankanzeige für den Wassertank, die noch viertelvoll anzeigt, obwohl der Tank schon leer ist. Wie sich herausstellt ist der kapazitivmessende Tankgeber defekt. Wenn man ihm glaubt, wird unser Wassertank nie leer. Wird er aber doch! Wir nutzen die Gelegenheit einen Blick in das Tankinnere zu werfen und sind erstaunt wie wenig Schmutz und Ablagerung vorhanden sind. Vor unserem Start Ende Oktober 2016 haben wir den Tank mit Amidosulfonsäure gespült und setzen bei jeder Tankfüllung CLO2 zur Wasserentkeimung zu. Das scheint zu wirken. Weniger schön ist allerdings, dass die Schweißnähte nach der Anfertigung des Tanks in Spanien augenscheinlich nicht von der Oxydschicht befreit wurden und erhebliche Rostspuren zeigen. Das kann so nicht bleiben.

Mit Maxi, eine Empfehlung unseres Lieblingsmarineros Marcelo, machen wir einen Glücksgriff. Trotz Pinselverlängerung ist es sehr aufwendig alle Ecken des Tanks zu erreichen. Die Schweißnähte werden gewissenhaft zweimal mit Beize behandelt und der Tank sieht aus wie neu. Für die nicht ungefährliche Arbeit braucht Maxi 2,5 Stunden.

Maxi gibt alles

Walter leuchtet

Der Tank ist wie neu

Wieder auf Empfang
Unsere auf dem Masttop montierte LunaWLANnet Wifi-Antenne haben wir nach fast 3 Jahren nun endlich in Betrieb genommen. Die miese Verfügbarkeit und spärliche Datenrate über das Mobilfunknetz von Movistar (Claro ging gar nicht) hat bei Walter ausreichend Leidensdruck erzeugt, um den Router im Besenschrank zu montieren und anzuschließen.

 

 


Brot wie vom Bäcker

Nach einigen nicht geglückten Broten fristete der Brotbackautomat ein Dasein in einer Schrankecke und wartete auf seine Entsorgung. Wenn da nicht Walter wäre, der mich zu einem erneuten Testlauf überredet. Wir haben noch einiges an Dinkelvollkornmehl aus Brasilien, was ich auf keinen Fall zu einem misslungenen Brot verarbeiten möchte. Mich diesmal strikt an die Rezeptvorgabe im Begleitheft haltend, zaubert der Automat die schönsten Brote hervor. Er ist jetzt bei uns im Dauereinsatz und spart jede Menge Spiritus ein.

Hefeteig im BBA geknetet + backfertig gegangen + in 25 Minuten im Backofen zu leckeren Rosinenweckchen gebacken!

Dinkelvollkornbrot

Schnelles Weißbrot getestet, sollte es kein Vollkornmehl mehr geben.

Alte Farbe, neue Mastschiene, lange Liste

Victoria B.A./Argentinien 8008 sm von Stavoren
April/Mai 2019

Farben so alt wie guter Wein
Bootszubehör jeglicher Art, Farben, Antifouling . . . ! „Wenn ihr etwas braucht, in Argentinien bekommt ihr alles“, versprechen uns Segler, die bereits in Argentinien waren oder zurzeit in Argentinien sind. Das hört sich doch gut an 🙂 ! Wir sind seit Anfang Februar im Segelclub Barlovento in Victoria, Großraum Buenos Aires. Am Ufer des Rio Luján reiht sich ein Segelclub an den anderen. In den Häusern, die Fenster vergittert, umgeben von Zäunen und Mauern, die oftmals noch zusätzlich mit elektrischen Drähten und/oder NATO-Draht gesichert sind, wohnen keine Armen. Sicherheitspersonal, das rund um die Uhr in Wachhäuschen an fast jeder Straßenecke sitzt und überall installierte Kameras, sorgen für zusätzliche Sicherheit.

Ein Farbengeschäft, direkt um die Ecke gelegen, preist auf seinem Firmenschild vielversprechend, im Originaldesign des Herstellers, unter anderem Produkte von International an. Der Laden steht nicht auf der Liste der offiziellen International-Händler. Ein offizieller Akzo Nobel Händler sitzt in Buenos Aires, verkauft die von uns gewünschten Produkte aber nicht und verweist uns an den Laden hier in Victoria. Wir brauchen Interdeck, um unser Deck wieder rutschfester zu machen, Goldspar Satin für Boden und Holzeinbauten und Interprotect Epoxy Primer. Es sind alles Produkte von International. Das Regal ist übersichtlich sortiert. Interprotect gibt es nur in einem 2,5 l Gebinde, Interdeck haben sie nicht, könnten sie aber bestellen. Wir haben uns nicht verhört! Die Lieferung würde 8 Monate dauern!? Von Goldspar Satin stehen einige Dosen im Regal. Wir nehmen vier mit, für mehr als den doppelten Preis wie in Deutschland.

Alejandro, Mitglied im Segelclub Barlovento, weiß wo man in Victoria und Umgebung Bootsbedarf und andere Dinge, die man benötigt, eventuell bekommen könnte. Er weiß auch, dass der International Laden oftmals abgelaufene Produkte anbietet und die Herstellungsdaten mit neuen Daten überklebt. Uups, da schauen wir uns die erworbenen Lackdosen doch mal etwas näher an. Ein Herstellungsdatum ist auf den Dosen nicht zu finden. International arbeitet mit Codes. Für den kleinen Endverbraucher nicht lesbar. Zur Entschlüsselung der Zahlen- und Buchstabenkombination auf dem Dosenboden gibt es keinerlei Hinweise auf der Webseite von International und auch ein Anruf bei der deutschen Niederlassung ist nicht erfolgreich. Eine schriftliche Anfrage bei International Deutschland bleibt bis heute unbeantwortet. Wir haben den Eindruck, dass eine Entschlüsselung nicht gewünscht ist. Erst nach umfangreichen Internetrecherchen findet Walter eine von einer Privatperson eingestellte Liste mit allen Codes und dem dazugehörigen Herstellungsjahr. Eine Dose Goldspar-Lack mit dem Code LC 7890UF ist von März 2010 (L für 2010, C für März ) und drei Dosen mit dem Code MC 8073UF sind von März 2011 (M für 2011, C für März). Die vom Hersteller angegebene Lagerzeit beträgt zwei Jahre. Die Bestätigung liefert ein Anruf bei „International Technical Enquiries“ in San Diego, USA. Nummer gewählt, der weibliche Erstkontakt gibt nach Nennen der Codes spontan das mit unserer Liste aus dem Internet übereinstimmende Herstellungsjahr an. Keine Sprüche wie, „Wir können darüber leider keine Auskunft geben, wenden Sie sich an …“ oder „Ich verbinde sie mit einem zuständigen Mitarbeiter“!  Einiges funktioniert im TrumpLand hervorragend! Alle vier Töpfe gehen zurück in den Laden. Bis auf wenige Dosen im Regal, sind alle International Produkte gnadenlos überaltert. Wir machen den Ladeninhabern klar, dass es betrügerisches Vorgehen ist, was sie hier betreiben, und dass wir unser Geld zurück haben wollen. „Betretenes“ Schweigen und anstandslose Rückerstattung. Immerhin das!

Bei einem Hempelladen im 4 km entfernten San Isidro versuchen wir nochmal unser Glück. Hier werden wir auch nicht fündig. Von der 2K-PU Farbe, die im Regal steht, gibt es inzwischen das 4. Nachfolgeprodukt.

Die im Mai geplante Überfahrt nach Juan Lacaze/Uruguay, um die Aloma dort an Land zu stellen und während unseres Deutschlandaufenthaltes im Juni Lackarbeiten von Ricardo durchführen zu lassen, hat sich nun erledigt. Nur um Antifouling zu streichen, lohnt sich der ganze Aufwand nicht, zumal wir Ende Mai von Buenos Aires aus nach Deutschland fliegen. Problem ist, dass die Aufenthaltsdauer für das Boot im Juni abläuft.
Als wir Anfang Februar erstmalig in Argentinien angekommen sind, haben wir und das Boot bei den Behörden in Buenos Aires eine Aufenthaltsdauer von 90 Tagen, also bis Anfang Mai erhalten. Während unserer vierwöchigen Radtour in Patagonien bekamen unsere Pässe, aufgrund der Ausreise Anfang März nach Chile und der erneuten Einreise Mitte März nach Argentinien, neue Stempel mit einer Aufenthaltsgenehmigung für weitere 90 Tage bis Mitte Juni. Nach unserer Rückkehr mussten wir uns wieder bei der Aduana (Zoll) zurückmelden. Die Aufenthaltsdauer für das Boot wurde nicht wie erwartet für weitere 90 Tage bis Anfang August verlängert, sondern an unsere Aufenthaltsdauer angepasst. Durch unsere Deutschlandreise Ende Mai, bekommen wir nach Einreise in Argentinien automatisch wieder 90 Tage. Also für uns kein Problem, aber für das Boot.

Das bedeutet mit Boot ausreisen und wieder einreisen, um für das Boot weitere 90 Tage zu bekommen. Darauf haben wir überhaupt keine Lust. Eine zweimalige Verlängerung ist in Argentinien aber nicht möglich. Wir fahren trotzdem zur Aduana nach Tigre. Fragen kostet nichts. Es sitzen die gleichen zwei netten Damen dort, wie bei unserem letzten Besuch. Nach einem anfänglichen „Eine weitere Verlängerung ist nicht möglich“, schauen sie sich den Vorgang nochmal genau an und wundern sich, dass das Boot zuletzt nicht um 90 Tage verlängert wurde. Wir haben Glück! Die alten Formulare werden vernichtet und die Aloma darf nun bis zum 11. August in Argentinien bleiben. Nach dem damaligen Behördenwahnsinn in Buenos Aires, sind wir mit Argentinien wieder etwas versöhnt 😉 !

Mastschiene mal schnell montiert
Gebrochene Rutscher und mehrfach gehimmelte Kopfbrettrutscher haben uns zu neuen Überlegungen gezwungen. Letztendlich haben wir uns für eine Mastschiene von Harken entschieden, die wir über die Firma Peter Frisch in München geordert haben (https://aloma.koeln/wp-admin/post.php?post=8452&action=edit).

Auf dem Deck liegen sieben Mastschienen, jede 2,05 m lang. Die Anleitung verspricht eine schnelle Montage. „In einem Tag ist alles erledigt“, meint Walter. Kein Kommentar zu der sportlichen Zeiteinschätzung des Bordingenieurs 😉 ! Nach Vermessen der Mastnut kürzen wir eine achte Schiene entsprechend ein, die ganz nach oben geschoben werden muss. Nutensteine müssen nun in die Mastnut eingefädelt und die einzelnen Tracks daran festgeschraubt werden. Die Nutensteine, für 8 – 11 mm breite Nuten ausgelegt, klemmen stellenweise in unserer 8 mm breiten Nut. Die Zeiteinschätzung gerät ins Wanken. Bei einer Bearbeitung mit einer Feile, würde die Zeitplanung völlig aus dem Ruder laufen. Also klettert Walter, ausgestattet mit einem Winkelschleifer, in den Mast und bearbeitet die kritischen Stellen erfolgreich mit einer Fächerscheibe.

Das Einfädeln kann beginnen. Wie sich dann zeigt, ist es nicht so einfach wie in der Anleitung dargestellt, die Nutensteine in die Nut und an die richtige Stelle zu bekommen. Mit einem Spachtel, wie empfohlen, geht es überhaupt nicht. Letztendlich ist ein Schaschlikspieß die Lösung. Meine Aufgabe ist es, die Schraube mit Schraubensicherung zu versehen und an Walter zu übergeben, den Nutenstein einzufädeln und ihn mit dem Schaschlikspieß hinter das Schraubenloch der Mastschiene zu bugsieren, wo Walter dann versucht das Gewinde des Nutensteins mit der Schraube zu erwischen. Schaschlikspieß dann vorsichtig wegziehen. Wenn sich der doofe Nutenstein verklemmt oder vom Spieß rutscht, geht’s wieder von vorne los. Sind alle Nutensteine einer Schiene erfolgreich befestigt, wird diese soweit nach oben geschoben, bis die nächste darunter passt. Wenn sie sich denn hochschieben lässt. Sind die Nutensteine zu locker angeschraubt, verkippen sie und verklemmen sich in der Nut. Sind sie zu fest angeschraubt, bewegt sich auch nichts. Festschrauben und eine Umdrehung wieder lösen, dann läuft’s.

Nutenstein mit Schaschlikspieß vorsichtig hinter

das Schraubenloch bringen

Wir brauchen zwei Tage, um alle Schienenteile zu befestigen und dann festzustellen, dass die obere Schiene etwas mehr hätte eingekürzt werden können. Das Einfädeln des Segels funktioniert zwar, ist aber nicht ganz komfortabel. Schlimmer ist, dass das Fall an der Endkappe des oberen Schienenteils schleift. Wir demontieren das obere Schienenstück und kürzen es ein. Der mehrstündige Versuch, dieses wieder in situ zu montieren scheitert. Also, alle ca. 130 Schrauben der Schienen wieder lösen, Schienen raus und die ganze Prozedur nochmal von vorne. Wir wissen ja jetzt wie es geht! So viel zum Zeitmanagement 😉 !
Beim Anschlagen des Großsegels stellen wir mit Entsetzen fest, dass wir zu wenige Zwischenrutscher geordert haben. 5 Stück fehlen. No Comment 😉 ! Einen bekommen wir bei North Sails, dem Harkendealer vor Ort. Der Segelmacher gleich um die Ecke zeigt Walter, wie die Zwischenrutscher mit Gurtband verbunden werden und schenkt ihm geharztes Segelgarn für diesen Zweck.

Lange argentinische Ausrüstungsliste
Segelyachten, die Argentinien verlassen, müssen sich vorab durch eine lange Liste mit erforderlichen Ausrüstungsgegenständen arbeiten. Kurz bevor man Ablegen möchte, nicht früher, überprüft ein Mitarbeiter der Prefuctura, ob alle Anforderungen erfüllt sind. Also rechtzeitig mit dem Abarbeiten beginnen, wenn die Abfahrt nicht unnötig verzögert werden soll. Viele der geforderten Dinge haben wir an Bord. So verrückte Sachen, wie unter anderem zwei Rettungsringe mit Leine, eine Glocke und ein Satz internationaler Signalflaggen fehlen auf der Aloma. Mal sehen, wie wir uns da herausmanövrieren. Handfackeln und Leuchtraketen sind abgelaufen und müssen erneuert werden. Die erforderliche Rettungsinsel muss bei Verlassen Argentiniens gewartet sein, ebenso die Feuerlöscher. Beides ist abgelaufen. In Deutschland gibt es für privat genutzte Segelboote keine Ausrüstungspflicht. Es interessiert also keinen, ob Rettungsinsel und Feuerlöscher gewartet oder überhaupt vorhanden sind.

Die Wartung von Rettungsinsel und Feuerlöscher lassen wir bei der Firma IDPSA in Munro B.A. durchführen. Wir wollen bei der Wartung der Rettungsinsel auf jeden Fall dabei sein, was kein Problem ist.

Das ist nicht unsere Insel 😉 ! Gehört zu einer kleinen Fähre.

Insel verpackt an Deck

Das ist

unser kleines

Notfallheim