Caleta Brecknock 54°32’69 S 71°54’64 W

Caleta Brecknock – Seno Ocasión – Feuerland 
Caleta Silva – Caleta Brecknock 58 sm
10439 sm von Stavoren/NL
Temperatur um 7:00 Uhr: draußen 8,6° C – im Boot 11,8° C
02.02. – 5.02.2020

ANKER AUF UND LOS
Wir fahren ein schnelles Ankermanöver. Dank der SEA ROVER II, an der wir seit gestern Abend längsseits liegen, brauchen wir heute morgen keine Landleinen mehr einzuholen und das Dinghi ist schon an Deck verzurrt. Im Canal Ballinero kommt der Wind anfangs mit 15 kn aus W. Selten mal Böen mit mehr als 20 kn. Später lässt der Wind nach und dreht auf nördliche Richtung. Wir kommen unter Motor gut voran.
Über der Gebirgskette Cordellera Darwin sitzt ein dickes Wolkenband und der Gipfel des pyramidenförmigen, stark vergletscherten Bergs Sarmiento ist verhüllt. Das durch die Wolken immer wieder hindurchfallende Sonnenlicht taucht die Gebirgslandschaft in ein ganz besonderes eindrucksvolles Licht.
Die Bahia Desolada durchfahren wir mit erhöhter Aufmerksamkeit. Auf die in der Seekarte völlig daneben liegenden Inseln und Felsen haben wir uns vorbereitet. Mit Hilfe der aus dem ermittelten Kartenversatz neu gesetzten Wegpunkte und mit Radarunterstützung manövrieren wir erfolgreich bis in den Canal Brecknock. Schon bald können wir in den Seno Ocasión abbiegen und die Caleta Brecknock anfahren. Viele Seebären, die zur Familie der Ohrenrobben gehören, begleiten uns. Hin und wieder hüpft mal einer der Bären aus dem Wasser, meist sind aber nur die zweigeteilten Schwänze an der Wasseroberfläche oder ein Kopf zu sehen.

DAS TOR ZUR HÖLLE (Marc von der KALIM)
In die Bucht geht es zwischen einem schmalen Durchgang aus imposanten hohen Granitfelsen hindurch. Wir fahren in ein breites kreisförmiges Becken, umgeben von hohen Gipfeln und vertikalen Granitwänden. Der Ankerplatz ist in einer Ecke auf der Westseite. Dort liegen schon zwei Boote, die mit einer Landleine den Zugang versperren. Wir funken sie an, machen das Schlauchboot und den Anker klar und bringen Fender aus. Mit Hilfe der beiden brasilianischen Skipper liegen wir schnell und sicher vertäut im Raft. Für mehr Boote ist hier in der Ecke kein Platz mehr. Beide Boote wollen morgen um 6 Uhr weiter Richtung Puerto Williams. Wieder eine kurze Nacht!

Der 15 m lange französische Katamaran KALIM kommt in die Bucht gefahren und macht an einer steilen Felswand auf der Nordseite der Caleta fest. Die 20 m lange amerikanische SY PAWSITIVE LATITUDE, die kurz danach eintrifft, muss an einem weniger geschützten Platz vor Anker gehen. Kein Problem! Für die kommenden Tage ist kein Wind angesagt. Der nächste Tag beginnt mit strahlend blauem Himmel und 15 Grad! Die Brasilianer sind weg und die PAWSITIVE LATITUDE wird unser neuer Nachbar. Mit Brian und seiner Crew, dem Brasilianer Pedro und der Russin Anastasia starten wir zu einer kleinen Wanderung. Ihr russischer Freund Daniel bleibt an Bord. Zwischen der feuchten Graslandschaft, mit Polsterstauden und niedrig wachsenden Sträuchern haben sich überall kleine Seen gebildet. Dazwischen liegen verstreut dicke Felsbrocken. Wir blicken hinunter auf den Seno Ocasión, durch den wir gekommen sind. Einige Seebären vergnügen sich wieder im Wasser. Zurück geht’s zu einem See, der von der Ankerbucht durch Felsen getrennt ist. Ein fantastischer Anblick. Es bewölkt sich immer mehr. Als wir wieder zurück auf der ALOMA sind, fängt es an zu regnen und hört nicht mehr auf.

Abends treffen wir uns alle auf der PAWSITIVE LATITUDE zum Potluck. Warum hier soviele französische Boote unterwegs sind, fragen wir Marc von der KALIM. „Jeder segelnde Franzose ist erst dann zufrieden, wenn er einmal in seinem Leben nach Feuerland/Patagonien gesegelt ist. Jetzt sind wir hier und fragen uns, was wir hier eigentlich machen“, meint er lachend. „Kein Segelrevier und immer wieder Regen“.

Es regnet den ganzen nächsten Tag. Den Tag danach bleiben wir auch noch in der Caleta Brecknock. Das Wetter für die geplante Fahrt durch den Canal Barbara und die Weiterfahrt durch die Enge Paso Shag in die Magallanstraße ist nicht optimal.