Chapada Diamantina 5. Tag

Chapada Diamantina-Bahia/Brasilien 5787 sm von Stavoren/NL
26.05.2018

Poço Encantada und Poço Azul
Der Tank ist voll! Für unseren Ausflug reicht der Sprit noch. Auf der Rückfahrt müssen wir allerdings sehen, ob wir eine Tankstelle finden, die noch etwas Sprit vorrätig hat. Ethanol geht auch, da es ein Flexmotor ist. Ansonsten sieht es für einige Touris  mit Ausflügen morgen schlecht aus. Wegen der bereits seit Tagen anhaltenden landesweiten Streiks der Speditionen, aufgrund der hohen Dieselpreise, fährt kein LKW mehr. Tankstellen, Supermärkte und Flughäfen werden nicht mehr beliefert. Die Busgesellschaften lassen einen Teil ihrer Flotten in den Garagen. Wir hoffen mal, dass „Rápido Federal“ für unseren Bus Sprit auf Lager hat und wir heute Abend zurück nach Salvador kommen.

Auf unserem Weg in die Nova Redenção Region zu dem knapp 140 km entfernten „Verzauberten Brunnen“ Poço Encantado, eine der Haupttouristen-Attraktionen, machen wir noch einen Zwischenstopp am  Rio Paraguaçu. Mit einer Gesamtlänge von 614 km ist er der grösste „komplett bahianische Fluss“. Er entspringt in der Chapada Diamantina am Rande einer verlassenen Weidefläche als unscheinbares Rinnsal und mündet in der Nähe von Salvador in die „Bahia de Todos os Santos“ – die Allerheiligenbucht. An der Stelle an der wir vorbeikommen, hat das Rinnsal schon flussähnliche Gestalt angenommen.

Wegen des Streiks haben wir die Straßen fast für uns alleine. Weiter geht es Richtung Poço Encantada. Vinicius erzählt uns, dass in der Hauptsaison Wartezeiten von bis zu 2 Stunden keine Seltenheit sind. Mitunter werden Gruppen ganz abgewiesen. Wir brauchen nicht zu warten 🙂 . Ausgestattet mit Helm und Lampe sitzen wir ganz alleine vor dem eindrucksvollen versunkenen Pool und bestaunen die blaue Reflexion auf dem Wasser, die das durch einen Felsspalt einfallende Sonnenlicht erzeugt. Das Wasser ist so klar und durchsichtig, dass die Felsen und alte Baumstämme auf dem 60 Meter!!! tiefen Grund sichtbar sind. Ein unglaubliches Szenario! Der Zugang zu diesem Pool wird wegen des empfindlichen Ökosystems streng kontrolliert und es ist nicht erlaubt zu schwimmen.

Mit dem Auto geht es weiter über holprige unbefestigte Straßen und über eine schmale Holzbrücke zum Poço Azul, einem weiteren blauen Höhlensee.

Bevor wir zum See hinuntersteigen, essen wir leckere regionale Küche von einem abwechslungsreichen Büffet, welches sich auf dem Gelände befindet.

In diesem Pool ist schwimmen erlaubt. Vorher ist aber duschen und Tragen einer Schwimmweste angesagt. Eine Schnorchelausrüstung kann auch ausgeliehen werden. Der Aufwand ist uns zu groß und das Wasser zu kalt 😉 . Wir genießen die Aussicht von oben in den kristallklaren See, in dem sich einige Schwimmer tummeln.

Eine steile Treppe führt hinunter zum See

Lichtschacht

Die Sonnenstrahlen, die zwischen April und September besonders intensiv durch den Lichtschacht fallen, lassen eine surreale Atmosphäre mit eindrucksvollen Farbspielen entstehen.

Als wir aus der Höhle hinausgehen, wartet ein weiteres Highlight auf uns. Vinicius entdeckt  am Wegesrand eine echte Korallenschlange. Das südamerikanische Exemplar ist giftig und nach einem Biss hat man längstens noch zwei Stunden zu leben. Gut, dass ihr Maul klein ist und sie nur in Hautfalten beißen kann 😉 .

Unser Auto parkt in der Nähe eines Cajamanga-Baumes. Daran wächst eine Frucht, die geschmacklich einer Mischung aus Caja (süß-säuerliche Tropenfrucht) und Manga, besser bekannt als Mangofrucht, ähnelt.

 

Auf unserem Weg zurück nach Lençóis haben wir Begleitung von der Brasilianerin Julie. Sie kommt aus Florianópolis und hat lange Zeit in Salvador gearbeitet. Sie hasst diese Stadt, schämt sich für die hohe Kriminalität in ihrem Land und für den Verfall vieler schöner alter Häuser und die untätige brasilianische Regierung. Es erfüllt sie mit Stolz, wenn Touristen trotz der unmöglichen wirtschaftlichen und politischen Zustände, auch die schönen Seiten Brasiliens entdecken und genießen können. Julie hat sich, da noch jung, entschieden Europa zu bereisen. In London hat sie lange Zeit in der Kinderbetreuung gearbeitet und macht zurzeit Urlaub in der Chapada Diamantina. Wahrscheinlich geht sie wieder zurück nach London. Wir haben eine unterhaltsame und kurzweilige Fahrt zurück nach Lençóis.

Abends essen wir wieder in unserem bewährten Restaurant „Cozinha Na Pedra“ und werden um 23 Uhr zum Busterminal gefahren. Der Tank unseres Rápido Federal-Busses ist voll und er fährt pünktlich um 23:30 Uhr ab nach Salvador.