Rückblick Januar 2017

Seit unserer Ankunft in Lagos ist jetzt mehr als ein Monat vergangen und wir haben in dieser Zeit einiges erlebt. Allerdings sind die geplanten Arbeiten am Boot bisher nicht wirklich fortgeschritten. Aber der Reihe nach. Am 30.12. waren wir, wie schon berichtet, nach einer anstrengenden Nachtfahrt hier angekommen. Silvester hatten wir Waschtag und, wer hätte das gedacht, alle Waschmaschinen und Trockner für uns alleine. Außerdem musste der Kühlschrank wieder gefüllt werden. Den Jahreswechsel haben wir dann sehr entspannt auf der Aloma verbracht. Aus dem Cockpit konnten wir ein von der Kommune Lagos organisiertes sehr beeindruckendes Feuerwerk genießen. Privat wurde aber sehr wenig geballert. 2016 wird uns als das Jahr in Erinnerung bleiben, in dem wir beide unser Arbeitsleben beendet haben, dass in 2015 verkaufte Haus geräumt haben, uns von Familie und Freunden verabschiedet haben, dazwischen immer fleißig am Boot gearbeitet haben, auf das wir dann Ende August endgültig umgezogen sind. Also kein Jahr wie jedes andere!

Unserern guten Vorsätzen entsprechend sind wir mit zwei Radtouren ins neue Jahr gestartet. Die erste Tour stand unter dem Motto „Einrollen“. Also rollten wir zunächst entlang der EN 120 Richtung Norden, bis wir an eine kleine Straße kamen, die uns nach Westen auf die EN 268 brachte. Diese führte dann durch den „Parque Natural do Sudoeste Alenteiano e Cost Vicentina“ mit seiner einzigartigen Flora.

Dem nachvollziebaren Wunsch der „Bordfrau“ jedes Pflänzchen im Bild festzuhalten konnte der Tourguide leider nicht nachkommen. Inzwischen war es nämlich so spät geworden, dass eine verschärfte Gangart notwendig wurde, um nach 73 km noch halbwegs im Hellen zurück am Schiff zu sein. Nach dieser „Einrolltour“ war dann erstmal ein Pausentag zum Regenerieren notwendig. Der Start der zweiten Tour verzögerte sich aufgrund einer Reifenpanne und der anschließenden Suche nach Ersatzschlauch und Reifen in Alomas Stauräumen. Haben es dann immerhin noch über Alvor nach Portimaio geschafft.

Café Alvor Lagune

Blick auf die Lagune von Alvor 1

Blick auf die Lagune von Alvor 2

Schafherde mit Kuh- und Ziegenbegleitung

Nachdem wir die abenteuerlichen Feriensilos in Portimaio live gesehen haben (Chorweiler lässt grüßen), sind wir sehr froh, die Marina in Lagos für unseren Aufenthalt gewählt zu haben. Zurück in Lagos waren schließlich 54 km auf der Uhr.

Am nächsten Tag stand dann der Klippenwanderweg von Lagos zum  „Ponta da Piedade“ auf unserm Programm. Das ist die typische Felsalgarve, wie man sie von Hochglanzprospekten kennt.

Hafeneinfahrt Lagos

Klippenwanderweg 1

Klippenwanderweg 2

Klippenwanderweg 3

Am 9. Januar sind wir von Faro nach Düsseldorf geflogen. Wir haben uns relativ spontan mit Manni und seinen Freunden zum Wintersport auf dem Mölltaler Gletscher verabredet. Nach drei Tagen in Langenfeld, unserer neuen Heimatadresse, sind wir dann mit dem Corsa unseres Sohnes Stefan Richtung Österreich gestartet. Obwohl das Garmin-Navi mit dem Zielort Innerfragant in Kärnten nichts anfangen konnte, haben wir den 50-Seelen Ort gefunden. Das Skigebiet Mölltaler Gletscher ist klein aber aufgrund der Höhe sehr schneesicher und bietet ein umwerfendes Panorama. Mit einer netten Truppe sind wir hier die nächsten 10 Tage Ski (Roswitha) bzw. Snowboard (Walter) gefahren. Gewohnt haben wir im Gasthof Pension Reiter – Innerfraganter Wirt. Wir hatten Halbpension. Frühstück und Abendessen waren immer super lecker und die herzlichen und hilfsbereiten Wirtsleute Christine und Gottfried Reiter machten den Aufenthalt zu einem rundum gelungenen Urlaub.

Innerfraganter Wirt
Panorama Mölltaler Gletscher (Bild: Uli Mall)

 

 

 

 

Racing Team 1

Racing Team 2

Gletscherabfahrten

Gletscher rote Piste

Schwarze Abfahrt Alteck

Duisburger Hütte (Bild: Uli Mall)

Etwas getrübt wurden die Tage in Österreich nur durch einen grippalen Infekt. Zurück in Langenfeld haben wir die drei Tage bis zum Rückflug für Treffen mit Familie und Freunden genutzt. Walter hat’s sogar noch kurz auf die Boot Düsseldorf geschafft. Nach dortiger Rücksprache mit den Firmen Compass und Navico haben wir uns entschlossen unseren B&G Zeus T8 im Rahmen der zweijährigen Gewährleistungszeit gegen ein hoffentlich fehlerfreies Gerät zu tauschen.

Zugfahrt Faro nach Lagos, Lagune von Faro

Zurück in Lagos haben wir die Aloma so vorgefunden, wie wir sie vor drei Wochen verlassen haben. Die ersten Tage wurde dann die Koje gehütet, um unsere Erkältung/Grippe auszukurieren. Den Kartenplotter haben wir mit Ctt Portugal für 45 € als „Priority Mail“ nach Compass gesandt. Da ist er inzwischen angekommen und wir hoffen, dass alles zu unserer Zufriedenheit abgewickelt wird. Jetzt freuen wir uns erstmal auf unseren Sohn Stefan, der morgen für eine Woche nach Lagos kommt.

 

Cascais – Lagos – 144 sm – 28 h

Es ist Donnerstag der 29. Dezember. Checken während des Frühstücks nochmal alle verfügbaren Wetterberichte. Unser Topdienst ist Windfinder. Immer sehr aktuell und der Superforecast hatte bisher eine hohe Trefferquote. Top 2 ist das Programm zyGrib, welches heruntergeladene Grib-Files darstellt und zusätzlich Seegangsdaten liefert. Auch schön sind die animierten Wind- und Wellenvorhersagen bei Windytv. Leider wird hier nicht so häufig aktualisiert. Meist ist aber die GFS-Vorhersage am aktuellsten. Alle Modelle sind sich diesmal einig. Auf unserem Weg zum „Cabo de Sao Vicente“ wird es 3-4 Bft aus Ost mit einigen Windlöchern geben, Wellenhöhe unter 2 m. Aber dann! Wenn wir das Kap passieren, bläst es uns mit 5-7 Bft auf die Nase kombiniert mit 2,5 m Windsee. Das müssen wir nicht unbedingt im Dunkeln haben. Der Plan sieht wie folgt aus. Wir legen gegen 12 Uhr ab, dann sollten wir „Cabo de Sao Vicente“ im Morgengrauen passieren. Dürfen halt nicht zu schnell sein 😉 . Vom Kap bis Lagos sind es etwa 20 sm. Auch wenn unsere Reinke kein Amwind-Wunder ist, sollte das im Hellen zu schaffen sein.

Zunächst läuft alles nach Plan. Wir laufen Punkt 12 h aus und runden „Cabo Espichel“ nach 15 Uhr. Da der Wind im Laufe der Nacht etwas rechts drehen soll, setzen wir unseren weiteren Kurs etwas östlicher ab, als es für den direkten Weg zum „Cabo de Sao Vicente“ notwendig wäre. Zunächst ist aber für 1,5 Stunden motoren angesagt. Dann geht´s wieder unter Groß und Genua 1 gemächlich weiter. Mit der einsetzenden Dunkelheit kommt der Wind zögerlich wieder und vorsichtshalber binden wir das 1. Reff ins Großsegel. Nachts muss Mr. Yanmar dann nochmal für eine Stunde ran. Wieder unter Segeln macht ein entgegenkommender Frachter keine Anstalten auszuweichen. Bei einem Abstand von 3 sm funken wir ihn an, worauf er sich dann endlich mal entschließt, ein Ausweichmanöver zu fahren. Unser AIS-Alarm verstummt für die restliche Nacht. Während der Nachtwache der Skipperin nimmt der Wind zu und wir wechseln auf die Genua 3. Danach darf sie in die Freiwache wechseln, die mit der einsetzenden Dämmerung jäh beendet wird 😉 . Wir passieren „Cabo de Sao Vicente“ und finden die Windvorhersage bestätigt. Jetzt wird’s richtig ungemütlich.

Zu allem Überfluss quittiert auch noch unser Autopilot den Dienst und steuern von Hand ist angesagt. Vergangene Nacht ist schon die elektronische Windanzeige ausgefallen. Ob das so weitergeht? Nachdem wir die ausgelöste Sicherung des Autopiloten  einschalten, nimmt er wieder bereitwillig den Dienst auf. Um ihn zu entlasten binden wir das 2. Reff ins Groß und reffen auch die Genua 3 etwas ein. In Böen hatten wir vorher über 30 Grad Lage, da kann man fast verstehen, dass der Autopilot in den Streik getreten ist 🙁 . Kurz vor dem hier verlaufenden Verkehrstrennunggebiet fahren wir eine Wende und nutzen dies gleichzeitig um die Genua 3 innerhalb unserer Seereling zu schoten. Trotzdem sieht der vom Kartenplotter aufgezeichnete Wendewinkel sehr bescheiden aus. Vielleicht haben wir ja Gegenstrom 😉 .

Gut 7 Stunden segeln wir hoch am Wind. Die letzten 5 sm legen wir dann unter Motor zurück. Der vor der Einfahrt zur Marina Lagos stehende Schwell erweist sich als unproblematisch. Um 15:40 h legen wir am Meldesteiger an und gehen ins Hafenbüro. Zu unserer großen Überraschung ist in der ganzen Marina gerade mal ein Platz für unsere Schiffsgröße frei. Glück gehabt 🙂 . Den Weg in die Marina versperrt uns eine quer über die Einfahrt verlaufende Fußgängerbrücke, die aber auf Anfrage über Funk für uns nach oben schwenkt und damit den Weg zu unserem Liegeplatz freigibt. Hier erwarten uns schon zwei Marinheiros und helfen wieder beim Anlegen. Hatten wir doch schonmal 🙂 .

Hiermit haben wir das erste Zwischenziel unserer Reise erreicht. In Lagos wollen wir erst mal bleiben und noch nicht abgeschlossene Arbeit am Boot beenden, bevor es dann im März/April weitergeht. Nach den zurückliegenden relativ bewegungsarmen Monaten, sind auch dringend Aufbauarbeiten an unserer körperlichen Fitness angesagt! Radfahren, Joggen, Kanu fahren stehen auf dem Programm und eventuell melden wir uns auch noch im Fitnessstudio an 🙂 .

Im Januar legen wir eine Berichtspause ein. Februar geht´s dann mit sporadischen Berichten zu unseren Erlebnissen und Fortschritten an dieser Stelle weiter.

Seit unserem Start am 31.10.2016 in Stavoren haben wir 1431 Seemeilen zurückgelegt, davon 870 Seemeilen unter Segeln.