Tag 19 + 20 Chile – Mexiko

30. – 31.03.2020 4°14’S 87°4’W, 22:17 UTC, 2375 sm, bis zum Ziel 1484 sm So schnell wie Walter vor einigen Tagen zwei fliegende Fische, darunter ein riesiges Exemplar, wieder in den Pazifik befördert hat, konnte ich meine Kamera nicht holen. Na ja, vielleicht landet ja nochmal einer auf der ALOMA. Diese Fische halten sich direkt unter der Wasseroberfläche auf und nur wenn sie erschreckt werden, schießen sie heraus und können hunderte Meter weit fliegen. Möglich ist es ihnen aufgrund ihres stark vergrößerten Schultergürtels, der Ähnlichkeit mit dem Brustbein der Vögel hat. Am Schultergürtel setzen die Muskeln an, mit denen die Brustflossen, Flügeln gleich, angetrieben werden. Sie bewegen sich mit so einer blitzartigen Geschwindigkeit, dass das menschliche Auge den Flug meist nicht wahrnehmen kann. Gäbe es keine Zeitlupenkamera, wüsste man gar nicht, dass diese Tiere ihre Brustflossen beim Flug benutzen und nicht nur springen.
Unser Wassermacher hat die Produktion eingestellt! Es läuft kein Wasser nach. Bei ruhigen Bedingungen, Wettermann Tilmann hat ein ausgedehntes Flautenloch angekündigt, wird Walter in den Pazifik abtauchen und den Wassereinlass kontrollieren. Wir hoffen, die Störung liegt wrklich nur an einer Verkrautung des Einlasses. Solange es noch ging, haben wir jeden Tag Wasser gemacht. Wir dürften jetzt ungefähr 400 Liter Wasservorrat in unseren Tanks haben, plus 54 Liter gekauftes Trinkwasser. Das sollte bis Acapulco reichen.
Wir segeln gaaaanz langsam auf 4° Süd zu. Das angekündigte Flautenloch macht sich schon bemerkbar. Noch sind wir mit unserer Passatbesegelung unterwegs, auf Kollisionskurs mit den Galapagosinseln. Keine Gefahr im Anzug! Die Inseln sind noch 200 sm entfernt.
Heute sind gleich zwei Gäste an Bord. Ein weißer und ein brauner Boobie. Sie machen es sich auf der Solarzelle bequem und putzen sich ausgiebig, wahrscheinlich fetten sie eher ihr Gefieder. Ängstlich sind sie überhaupt nicht und lassen mich mit der Kamera recht nah heran. Die durch die Abschattung unterbrochene Solarstromversorgung würden wir ja noch hinnehmen, aber sie kacken die halbe Zelle zu. Nachdem sie nach über einer Stunde immer noch keine Anstalten machen ihren Platz zu verlassen, kippt Walter die Solarzelle, um sie zum Wegfliegen zu bewegen. Erfolglos! Auch durch laute Rufe lassen sie sich nicht beieindrucken. Erst nach langem Gezeter heben sie ab. Nachdem ihre neuen Landeversuche immer wieder verhindert werden, geben sie endlich auf. Danach muss die Solarzelle mit reichlich Meerwasser, von ihren Hinterlassenschaften befreit werden.
Am letzten Tag im März, hast du Gertrud Geburtstag. Wir schicken dir herzliche Glückwünsche, mit einem zurzeit lauen Lüftchen, über den Pazifik.
Heute habe ich in Maisbratlinge die letzte Schrumpelpaprika und eine Lauchstange, bei der nach mehrmaligem Abziehen der vertrockneten Blätter tatsächlich noch etwas saftig Grünes sichtbar wurde, verarbeitet. Laut Rezeptheft sind Corn Fritters in jeder neuseeländischen Familie zu Hause. Zusammen mit Tzaziki und Möhrensalat haben sie prima geschmeckt.