Tag 17 + 18 Chile – Mexiko

28. – 29.03.2020, 7°39’S 84°59’W, 23:16 UTC, 2130 sm, bis zum Ziel 1723 sm Definitiv mitten in den Tropen angelangt. Draußen 27° C, im Boot 37° C, Wasser 25° C. Der Südost-Passat schiebt uns mit 13 kn Wind und einer 2 m Dünung leicht schaukelnd aber gemütlich dem Ziel entgegen. Gestern haben wir die 2000 sm geknackt. Ist schon eine lange Seereise.
Die Zeit vertreiben wir uns mit dem Lesen von Büchern und unseren spärlichen Informationen über Mexiko. Das Cockpit wird hin und wieder mit heruntergeladener Musik von Spotify über unsere JBL Box beschallt. Ich habe mein vernachlässigtes Spanisch lernen wieder aufgenommen und versuche mühselig mein Langzeitgedächtnis weiter aufzufüllen. Walter war da konsequenter unterwegs und kann sich schon ganz gut Basic verständigen. Wir können aber auch stundenlang im Cockpit sitzen und einfach nur auf den Pazifik schauen. Außer Wellen und Wolken gibt es nicht viel zu beobachten. Es sind erstaunlich wenig Vögel unterwegs. Mal ist es eine Möwe oder ein Tropicbird mit seinem auffallend langen dünnen Schwanz, die in großem Abstand vorbeifliegen. Zu Gast auf der ALOMA war lange kein Vogel mehr. Wahrscheinlich segeln wir zu weit draußen. Die einzigen Besucher sind Kalmare, die wir immer wieder vom Deck einsammeln. Haben kurzzeitig darüber nachgedacht mit den schmackhaften Tierchen unseren Speiseplan zu erweitern. Sind uns aber unsicher in der Zubereitung und insbesondere in der Beurteilung des Frischegrads. Manche riechen schon recht streng. Gestern hat Walter nur eingeschränkt erfolgreich über das Salondach und die Frontscheibe heruntergelaufene schwarze Tinte entfernt. Das muss ein riesiger Kalmar gewesen sein. Beim Anblick der ganzen Sauerei, die die Viecher auf unserem Deck inzwischen angerichtet haben, muss ich an das Teakdeck der Maramalda von Dani und Rita denken.
Der Autopilot sorgt für Aufregung. Mit der Meldung „Drive Error“ steigt er aus und stellt seine Tätigkeit ein. Ich übernehme das Ruder und Walter geht auf Fehlersuche. Er hat die Kohlebürsten des Elektromotors, der die hydraulische Steuerpumpe antreibt, in Verdacht. Dieses Problem hatten wir nämlich in Uruguay schon einmal. Die Kohlebürsten haben wir in Valdivia vor dem Start erneuert. Der Motor scheint verschlissen zu sein und frisst die Kohlebürsten förmlich auf. Das letzte Paar wird eingesetzt und der Autopilot läuft wieder. Nun hoffen wir, dass der Motor bis Mexiko durchhält. Wir haben noch zwei Paar gebrauchte Bürsten, die Notreserve. Im schlimmsten Fall müssen wir die ganze Pumpe durch die Reservepumpe ersetzen.
Ansonsten nimmt die Essenszubereitung einen großen Teil MEINES Tages ein. In meiner Wachschicht, die um 6 Uhr (chilenische Zeit) beginnt, backe ich jeden dritten Tag ein Brot und mache Frühstück. Alle paar Tage gibt es zusätzlich ein Spiegelei (noch 16 Eier im Vorrat). Gegen Mittag essen wir Joghurt mit Obst, Haferflocken, Rosinen und Nüssen (20 Apfelsinen und 15 Äpfel sind noch da). Spätestens um 18 Uhr gibt es Abendessen. Es sind noch 3 kg Kartoffeln, 2 kg Möhren, 2 kg Zwiebeln, eine schrumpelige aber noch essbare Paprika, eine Gurke, ein Butternutkürbis und einen den-Namen-kenn-ich-nicht-Kürbis an Bord. Bratwürstchen und ein Kilo bestes chilenisches Steakfleisch sind im Kühlschrank. Einige Gläser mit eingekochtem Gulasch, Sauce Bolognese, Linsensuppe, Kartoffelsuppe, Rotkohl und Pflaumenkompott sind auch noch da. Wir werden nicht verhungern.
Wenn die Sonne untergegangen ist, versucht Walter, bisher immer erfolgreich, über unser Kurzwellen-Funkgerät die Verbindung mit einer Sailmail-Landstation herzustellen. Nach Sonnenuntergang deswegen, weil dann die reflektierende F2-Schicht noch gut ausgebildet ist und die dämpfende F1-Schicht abgebaut wird. Auf diese Weise werden große Reichweiten von vielen tausend Kilometern ermöglicht. Heute wurde zur Abwechselung auch eine Verbindung über die Winlink-Station in Costa Rica aufgebaut. Winlink-Stationen stehen ausschließlich Funkamateuren zur Verfügung.
Lieber Michiel, solltest du deine Kommentare auf unserer Homepage vermissen, liegt es daran, dass wir mangels Internet keinen Zugriff auf unser Dashbord haben und Kommentare nicht freigeben können :-).
Ansonsten ist alle im Lot auf dem Boot. Die Stimmung ist gut und wir haben uns noch lieb.