Tag 9 + 10 Chile – Ecuador

20. – 21.03.2020 24°23’S 80°57’W 22:23 UTC, 1066 sm, bis zum Ziel 1547 sm Kein Wölkchen bedeckt den Nachthimmel. Eingekuschelt in eine dicke Fleecedecke liege ich bei 20° C im Cockpit und bestaune den unglaublichen Sternenhimmel, der sich bis zum Horizont spannt. Der Wind ist frisch. Das breite Band der Milchstraße mit ihren über 100 Milliarden Sternen hebt sich weiß leuchtend aus dem Sternenmeer ab. Eine Sternschnuppe fällt mit einer hellen Leuchtspur vom Himmel und erlischt. Schnell etwas wünschen. Erste Wolken ziehen auf und nehmen mir zunehmend die Sicht auf die Sterne. Walter hat bei Wachablösung um 3 Uhr weniger Glück mit Sternegucken.
Am kommenden Tag, dem 20.3. bleibt uns der moderate Wind erhalten. Wir hatten in der vergangenen Nacht keine Lust unsere Passatbesegelung umzuschiften und segeln mit 25 sm Abstand an der Isla Felix vorbei. Sie ist nur als Schatten am Horizont kurz erkennbar.
Walter hat Schnupfen. Wie kann das nach 9 Tagen auf See sein? Irgendwo habe ich gelesen, dass sich in jedem Milliliter Ozeanwasser tausende von Viren tummeln. Vielleicht ist ja so ein Rhinovirus mit Spritzwasser auf die Aloma gelangt, wie die Kalamare vor zwei Tagen.
Eine Bestandsaufnahme des Kühlschranks steht an. Walter hat Angst, der Proviant könnte rationiert werden. Ich hatte ihn im Verdacht, zu viel Käse zu futtern. Sieht aber alles gut aus!
Am Nachmittag kommt Mr. Yanmar für zwei Stunden zum Einsatz. Erst gegen Abend gibt’s wieder segelbaren Wind. Soll bis Dienstag so bleiben. Ganz gemütlich im Südost-Passat über den Pazifik segeln. Herrlich! Als wir Ende 2019 im Süd-Atlantik von Uruguay zu den Falkland Inseln gesegelt sind, war es für unseren Wettermann Tilmann eine meteorologische Herausforderung. Hier im Süd-Pazifik gibt es nicht viel für ihn zu tun.
Lisa, heute ist dein Geburtstag und wir schicken dir ganz viele gute Wünsche mit der Möwe, die uns immer mal wieder umkreist, über den Pazifik in eure Schwedenidylle.
Die Tage vergehen wie im Flug. Langeweile kommt nicht auf. Es gibt immer irgendetwas zu tun und wenn es nur einfach auf den Pazifik hinausschauen ist. Nach Sonnenuntergang nimmt der Wind endlich zu und bessert hoffentlich unsere auf 4,9 kn gesunkene Durchschnittsgeschwindigkeit wieder ein wenig auf. Ansonsten ist die Nacht ereignislos und auch vom heutigen Tag gibt es nichts Besonderes zu berichten. Der Wind weht konstant aus Südost mit 3-4 Bft. Während ich den Bericht schreibe, surrt der Wassermacher vor sich hin und produziert fleißig H2O! Heute Abend gibt’s Spaghetti mit Möhren-Sahne-Soße. Um 21 Uhr lege ich mich in die Koje und werde 3 Stunden später von Walter zum Wacheinsatz geweckt.
Tierische Begegnungen: Hin und wieder mal eine vorbeifliegende Möwe Auf dem AIS gesichtete Schiffe: Weit und breit nix zu sehen