Ruppige Überfahrt nach West Falkland/Port Albermarle

Port Albermarle/Falklandinseln 9757 sm von Stavoren/NL
16.12. – 18.12.2019

Vor dem Schreibtisch der DHL-Mitarbeiterin hat sich eine lange Schlange gebildet. Pakete werden herausgetragen und verschwinden im Kofferraum der Autos. Unser SVB-Paket ist nicht mitgekommen, wie man uns versichert. Morgen legen wir ohne Paket ab. Thea und Henk von der SY Romlea werden es mitnehmen, sollte es während ihres Stanley-Aufenthaltes ankommen. Immigration und Customs sind nicht weit von DHL entfernt. Nachdem wir 71 FKP Gebühren gezahlt haben, bekommen wir einen Stempel mit einem Pinguin in unsere Reisepässe und alles ist erledigt. Es ist kein Problem, dass wir noch in eine Ankerbucht zu den West Falklands segeln. Customs ist lediglich über die Ankunft zu informieren. Wenn wir an Land gehen, sollen wir uns bei eventuell dort wohnenden Farmern melden. Übrigens, bei Ankunft auf den Falklands bekommt man eine Aufenthaltsgenehmigung von 30 Tagen, die um weitere 30 Tage verlängert werden kann.
Während unserer 3,5 Wochen in Stanley haben wir hier nur noch drei weitere private Segelboote gesehen. Der zu Beginn unseres Aufenthaltes längsseits an uns liegende, wild zerrende Stahl-Belgier „Perd pas le Nord‘ mit Captain Nico, Robert, ein schottischer Einhandsegler mit „Silver Harmony“, ein kleines älteres GFK Boot. Übrigens, außer der Wanderer III, dass einzige nicht Metallboot. Frank, ein französischer Segler, ist mit seiner Frau und zwei kleinen Mädchen von Valdivia/Chile über Puerto Williams nach Stanley gesegelt und eine Woche vor uns hier angekommen. Sie sind mit einem interessanten Aluminium-Boot unterwegs. Erinnert an ein holländisches Plattbodenboot. Kein Kiel, Innenbalast, rechts und links ein Schwert. Frank hat nirgendwo soviel Wind wie hier erlebt. In der Magellan Straße war es eine Woche lang auch sehr windig, aber dort kann man sich in den unzähligen Caletas verstecken. „Alles wird besser, sobald ihr in den Beagel Kanal kommt,“ meint er optimistisch. Dann hoffen wir mal, dass es stimmt.
Ansonsten haben die unterschiedlichsten Kojencharterboote am East Jetty angelegt. Unter anderem die „Santa Maria Australis“ eine Hydra Duo, die wir auch von innen besichtigt haben. Die sind nach Puerto Williams gesegelt, um dort ihre Gäste aufzunehmen. Sie ist für die nächsten 2 Jahre ausgebucht. Läufst du mit 8 Gästen Süd Georgien an, sind schnell mal 100 T€ verdient. Davon sind Kojenvercharterer in der Karibik weit entfernt. Die Ipake+II, Argentinier, die unter brasilianischer Flagge segeln, sind mit ihren irischen Gästen aus Süd Georgien zurückgekehrt. Auf der Fahrt von den Falklands dort hin sind sie, wie bereits berichtet, mit ihren Gästen an Bord in dem Sturm, den wir beiliegend abgewettert haben, bei 80 kn Wind und 10 m Welle gekentert. Alles ist gut gegangen. In Süd Georgien sind sie mit 5 Knoten gegen einen Felsen gefahren, der Arretierbolzen ihres 7 Tonnen schweren Schwingkiels hat sich völlig verbogen und der Kiel ließ sich nicht mehr hochklappen. Mit ihrem 4 m Tiefgang haben sie es wohlbehalten nach Stanley an den East Jetty geschafft. Der verbogene Bolzen, samt Aufnahme wurde in Rekordzeit rausgeschnitten und die Aufnahme mit neuem Bolzen wieder eingeschweißt. Für den kommenden dreiwöchigen Törn, diesmal in die Antarktis, wurde noch Proviant aufgefüllt und Tannenbäumchen für die Weihnachtstage besorgt. Es war Eile geboten, denn die neuen spanischen Gäste waren schon im Anflug. Mit Kojencharter in Süd Georgien und der Antarktis kann viel Geld verdient werden. Einfach verdient ist es nicht.
Die Hälfte der Boote, die hier unterwegs sind, ist aus Stahl, die andere Hälfte aus Aluminium. Alles ist überdimensioniert. Die ALOMA sieht dagegen fast filigran aus. Wir haben geplant morgen zwischen 11 und 12 Uhr Richtung West Falkland abzulegen.

Die Ipake+II legt kurz vor uns ab. Am 4. Januar wollen sie in Puerto Williams sein. Eine große Chance sie dort wieder zu sehen. Wir wollen nach Arch Island segeln. Eine etwa 130 sm entfernte, unbewohnte Insel. Dort gibt es eine Seeelefanten- und Seelöwenkolonie. Sobald wir Cape Pembroke passiert haben, geht das Gerolle los. Alte Dünung von Backbord und kein Wind. Es ist motoren angesagt. Auch als wir abends die Genua 1 bei achterlichem Wind ausrollen können, wird es nicht besser. Die Welle ist kurz und wir rollen mit hoher Frequenz. Wir haben beide gegen Seekrankheit anzukämpfen. Ich kämpfe erfolglos. Nachdem ich seit langem ohne Skopodermpflaster zu kleben unterwegs bin und auch die heftigen 14 Tage von Uruguay zu den Falklands ohne Anzeichen von Seekrankheit geschafft habe, war ich wohl etwas zu optimistisch.
Unterwegs laden wir über Kurzwelle Wetterdaten herunter. Wir fassen es nicht! Thies hat uns eine Email geschickt. Inhalt: Das Paket ist da! Es wurde 4 Stunden nachdem wir abgelegt hatten, an den East Jetty geliefert.
Der Ankerplatz zwischen Arch Island und Sandbar Island ist nur gegen NO offen. Als wir dort ankommen, rollt genau aus dieser Richtung die Welle hinein. Die Wellenrichtung wird sich bestimmt in den nächsten Stunden ändern, aber darauf warten wir nicht. Wir haben beide die Schnauze voll vom Gerolle. Im ruppigen Wasser sind mehrer Pinguinköpfe zu sehen, die wie an einer Perlenschnur aufgezogen Richtung Bucht schwimmen. Unsere Segelfreunde von der SY Ithaka waren vor einem Jahr in dem 3 sm entfernten Westarm von Port Albermarle und ganz begeistert. Da fahren wir jetzt auch hin. Der Wind bläst inzwischen mit 6 Bft aus Nord. Wir ankern auf 10 m mit 65 m Kette. Sind ein wenig beunruhigt, da dass Heck bei W-SW weniger als 50 m zum Ufer hat. Wir hoffen mal, dass unser 35 kg schwerer Bügelanker hält. Der Ankergrund soll hier sehr gut sein. Schwell gibt es kaum, der Wind bläst allerdings ungebremst über uns hinweg.
Walter lädt über Sailmail einen GFS-Grib File bis Sonntag hinunter. Die Windrichtung für die Isla de los Estados (Staateninsel) sieht für das Wochenende gut aus, aber mehr als 40 kn in den Böen brauchen wir nicht. Tilmann, unser Mann für’s Wetter ist wieder aktiv und stellt fleißig Wettermenüs für uns zusammen. Am südlichen Ufer des Westarms liegt eine Farm. Wie wir von der SY Ithaca erfahren, wohnt dort Shaun mit seiner Familie. Morgen ist weniger Wind angesagt. Dann fahren wir mal mit dem Beiboot rüber und sagen hallo. Vielleicht verbringen wir ja Weihnachten hier am Ende der Welt.

INTERNETSITUATION
Bis Puerto Williams/Chile werden wir weder Zugang zu einem Mobilfunknetz noch zu einem WiFi Hotspot haben. Die gesamte Kommunikation läuft über Kurzwelle und inReach via Iridium ab. Die Blogbeiträge laden wir über Kurzwelle hoch. Bildbeiträge müssen bis Puerto Williams warten.